5. Dimension

Gibt es eine Welt, eine Dimension, in dieser bekannt Gewohnten? Und wie mache ich sichtbar, was sich
dem Auge allein nicht zeigt? Wie bringe ich hinter dem Offensichtlichen das Verborgene zum Vorschein?
Bekannte Strukturen verwandeln sich in neue Formen, Farben, Wesen, Licht - und doch ist es was es ist.
Tauchen Sie auf magische Art und Weise ein, in eine neueWelt in der Welt. Mit der Bereitschaft alte Glaubenssysteme und Gewohnheiten aufzugeben,
beginnt die Reise in das Unbekannte Neue.

 

 

 

Vernissage 13.07.2013 11h
Ausstellung vom 14.Juli bis 17.Oktober 2013

Kassenärztliche Vereinigung Thüringen, Zum Hospitalgraben 8, 99425 Weimar
Öffnungszeiten: Mo-Fr 9-18h, Sa 9-14h. Nur mit telefonischer Anmeldung: 0049 (0) 3643 5590
Wir freuen uns auf Ihren Besuch.



Laudatio für die Ausstellung Alexander Busch von Heinz-Georg Häusler

Die neusten Arbeiten von Alexander Busch faszinierten mich spontan! Der Ausgangspunkt war Natur und Naturstimmung. Aber es kam noch etwas hinzu – das so in ihr nicht zu finden ist. So vielleicht, wie wenn in einer Art Überhöhung oder Steigerung, impressionistische und expressionistische Sichtweisen in eins zusammengeflossen wären. 

Es war ein Verfremden der Natur spürbar, welches zwar von ihr ausging, aber zugleich über sie hinauswies. Vor einigen Jahren hat er den menschlichen Körper mit farbigen Schleiern in Bewegung dargestellt. Resultat waren fließende Gebärden aus Farbe und Form, in denen der Mensch im Wechselspiel von Zentrum und Umkreis sichtbar wurde. Aber es bedurfte der Phantasie des Betrachters, dieses Zusammenspiel nachzuempfinden und wahrzunehmen. Es war dies ein „Ver-hüllen“ und „Ent-hüllen“ zugleich, in dem der Mensch erlebbar wurde. 
Das scheint mir ein grundlegendes Ideal von ihm zu sein.
Die nackte, bloße Wirklichkeit, ein Realismus – ohne Verzauberung in eine neue Dimension – scheint ihm nicht erstrebenswert. Er sucht Anderes.
Diese Sichtweise, die zugleich „Ent-hüllt“ und „Ver-hüllt“, um eine andere Wirklichkeitsebene zu erreichen, hat dann in diesen wunderbaren „Hell-Dunkel-Melodien“ der weiblichen Aktstudien eine Fortsetzung gefunden. 
Wie aus dem Dunkel der Nacht auftauchend, tritt die Körperlinie, eine Brust, ein Rücken in den Blick. Von einem Schönheitserheben kündet dieses Suchen, das ich im eigentlichen Sinne erotisch nennen möchte. Eine solche Sehweise ruft den wahren Eros auf den Plan und bleibt liebevoll bis ins kleinste Detail. Diese Art von Akt-Fotografie ist frei von bloßem Realismus oder schriller pornografischer Ausrichtung. 
Diese Fotografien künden in ihrer Sinnlichkeit von einer unberührten Schönheit.

Jetzt kommt er mit einer ganz neuen Sehweise und Sicht der Dinge, mit Verzauberungen und Entzauberungen, welche er in der Natur erlebt. 
Da habe ich mich gefragt – da ich ja weder Fotograf noch Maler, sondern Bildhauer bin – wie hat er das gemacht, was ist dabei sein Anliegen?
Auf meine Frage hin, glaube ich verstanden zu haben, dass es ihm NICHT um einen technischen Effekt geht.
Der spontanen Momentaufnahme oder dem langwierigen Ausleuchten scheint er etwas ganz anderes entgegen setzten zu wollen. Aber was ist das? Jeder kennt in etwa die Schnelligkeit, oder Verzögerung des eigenen Reaktions-Intervalls. Das kann an der Ampel sein, bei einer Bildbetrachtung oder bei einem Fast-Unfall. Da gibt es viele Beispiele. Das „Klick-Klack“ des Schnappschusses bringt Reaktionsschnelligkeit auf den Punkt! 
Resultat: oft völlig ungewöhnliche Offenbarungen von Gebärde und Ausdruck des jeweiligen Objekts. Aber es gibt auch eine andere Möglichkeit, wo man in diesen Zwischenraum zwischen Wahrnehmung und Bewusstwerdung des wahrgenommenen schöpferisch und gestaltend eintaucht.
Das scheint meiner Meinung nach in diesem Suchen der Fall zu sein! In seinen Bildern scheint die Naturwelt wie von einer anderen Wirklichkeit – einer Über-Sinnlichen – durchdrungen. Um solche Bildebenen künstlerisch miteinander zu verbinden, braucht es den „geflügelten Pegasus“ der Phantasie.
Vielleicht könnte man auch sagen: „auf die Schwingung oder das Mitschwingen mit der äußeren Welt antwortet die Resonanz des eigenen Mitempfindens.“ 
Und der Betrachter wird dazu in aller Freiheit angeregt und eingeladen. Dadurch kann eine neue Dimension von Wirklichkeit erfahrbar werden, welche dem Geistig-Wesenhaften in der Welt zu einer neuen Physiognomie verhilft. Wer Solches zu realisieren versucht, steht dabei in absolutem Gegensatz zu vielem was heute als „gängig“ daherkommt. Aber wir Leben im Zeitalter der Freiheit und deshalb hat jeder selbst zu entscheiden ob und was und wie er die Bildhaftigkeit der Welt beflügelt oder hemmt! 
Jeder kann wählen – doch jeder sollte sich auch der Wahl bewusst werden! 
Aus einem bestimmten Anlass beschäftigte ich mich in der letzten Zeit mit der Biografie und dem Schönheitsideal der genialen Fotografin Hitlers, Leni Riefenstahl. Meine Frage war: „was hatte sie für einen Schönheitsbegriff?"
Paralell dazu stellte ich mir die Frage: „gibt es da nicht direkte Verwandtschaften zum plastischen Werk von Arno Breker demMonumental-Bildhauer Hitlers?“
Bei diesen Fragen kam mir wieder in Erinnerung der Schönheitsbegriff eines genialen Malers, Bildhauers und Vordenkersder Moderne: Otto Freundlich.
Er war befreundet mit Picasso, Kandinsky und der gesamten Avantgarde von Paris im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Er hatte die beschämende „Ehre“ mit seinem plastischen Kopf „Der neue Mensch“, auf das Plakat der berühmt-berüchtigsten Ausstellung über „Entartete Kunst“ zu kommen.
Die Nazis, deren erbitterter Gegner er war, haben ihn im KZ Maidanek umgebracht.
Freundlich hat in seinen Schriften visionäre Gedanken ausgesprochen. So hat er zum Beispiel den Begriff einer Optischen Moral geprägt.
Was versteht er darunter?
Das, was er da ausführt ist in keiner Weise etwas „Moralin-saures“ mit dem Unterton: „Du sollst nicht...!“ oder: „Du darfst nur dieses oder jenes...“
Nein, er fasst den Begriff der optischen Moral viel größer, viel freier, viel umfassender.

Zitat: „Die optische Moral hält fest an der Verbindung des Menschen mit dem Kosmos und lehrt die Elemente einer Kosmischen Moral.“ ... „Kunst existiert nicht: es sei denn, sie sei optische Moral und erzeuge praktische Moral. – was dieses beides aber bedeutet, solche Wege schreiten Generationen nicht zu Ende!“ Otto Freundlich

Du siehst Alexander, Du bist in guter Gesellschaft mit Deiner Blickrichtung zur Gewahrwerdung neuer Kosmischer Dimensionen in der Kunst.

Viel Resonanz für Dein Schaffen, viele Fragende und phantasievolle Blicke der Betrachter, wünscht Dir

Enrico / Heinz Georg Häußler